Dr. Achim Taubert Dr. Achim Taubert

Achim Taubert - Elbvertiefung Möwe

Achim Taubert

Entwicklung der „Buxtehude“-Methode als PDF ansehen.


Sehr verehrte Angesprochene,

die Ihr im beigefügten Papier über die "Buxtehude"-Methode namentlich erwähnt werdet, ich möchte Euch versichern, dass ich keinen misskreditieren oder beleidigen möchte. Ihnen allen bin ich dankbar, dass Sie in einem honorigen Menschenhaufen versammelt sind, der nur nichts mit dem Begriff "Tidebecken" richtig anfangen kann. "Ist das nicht die sensible Körperregion einer Tideküstenbewohnerin? - oder so?“

Aber Ihr habt mir gezeigt, dass vielen Menschen das Verhalten von Tidebecken unbekannt ist, wie auch mir selbst als Beamter 1966 – 1974 im Bereich der WSD Hamburg mit der Ausführung im Rahmen des 12m-Ausbaus und mit den Vorarbeiten des 13,5m-Ausbaus der Unterelbe Beauftragter. Ich bin zwar selbst an einer Tideküste aufgewachsen und bin öfter in dem Nebentidebecken des Heverstroms, der Pohnsbucht, 100 m von unsrer Halebüller Wohnung 1947-1956 entfernt zum Wattwandern gewesen. Aber Tidebecken habe ich erst viel später beim ALW Husum ab 1974 bei den Vorarbeiten für die Vordeichung Nordstrander Bucht als Gewässerkundedezernent kennengelernt. Das war eine klassische Tidebeckenverkleinerung mit dem Ziel, die Energie der einlaufenden Tidewelle zu dämpfen. Anfangs war die Maßnahme verbunden mit dem vorgesehenen Sicherungsdamm nach Pellworm. Das war eine klassische Tidebeckentrennung zwischen Norderhever und Süderaue ebenfalls zur Dämpfung der Tidewellenenergie. Beide Maßnahmen von zahlreichen Veröffentlichungen der "Westküstenforschung" und durch mehrere Gutachten aufgrund von Hydraulischen Modellversuchen und Rechenmodellen abgesichert und begründet. Und dann kam die politische Entscheidung, zunächst die Vordeichung vorzuziehen.

Das Gutachten PARTENSCKY ergab aufgrund des "Gleichgewichtkriteriums" von RENGER eine künftige Erosion der Holmer Fähre und dadurch die Begründung für die erforderliche Vordeichung. Für die ökologischen Gegner war das eine unzumutbare Wattenmeerverkleinerung und Biotopverluste. Mit Offenem Brief an den M.P. in Kiel wurde die Widerlegbarkeit des Partenscky-Gutachtens angekündigt. Aus Sicht des Gutachters und des ALW war das Gutachten endsprechend dieser international anerkannten Methode unantastbar.

Ein halbes Jahr später fand ich durch Zufall einen Angriffspunkt, der tatsächlich eine schwerwiegende Fehldeutung war. Durch Landesbeamtengesetz LBG sah ich mich gezwungen, meinen Dienstherren zu informieren, um Schaden abzuwenden. Mein Vermerk wurde einerseits fachlich nicht verstanden und ich wurde als parteipolitischer Gegner der Vordeichung eingestuft. Es folgte eine intensive und Gesundheitsbelastende Mobbingkampagne gegen mich. Über 3 Jahre ärztliche und psychotherapeutische Behandlung waren fällig. Ich entschloss mich zu einer wissenschaftlichen privaten Nebentätigkeit, die vom Dienstherren zu genehmigen war. So entstand als Therapie in 5 Jahren meine Dissertation "Morphodynamik und Morphogenese des Nordfriesischen Wattenmeeres" am Geographischen Institut der Uni Hamburg 1986. Im Rahmen der Tidebeckenbehandlung habe ich auch die Methode Renger und das Gutachten Partenscky kommentieren müssen. Ergänzend dazu habe ich mehrere Analysemethoden für Tidebecken entwickelt (Völligkeitsbeiwert, MODYKA etc.). Durch Vergleich von historischen Küstenkarten bis zurück auf 1240 ergaben sich die Verhaltensregeln der Wattpriele als Embryonale Tidebecken bis hin zu durch Naturkräfte (Seegang, Stürme. Tideströmung) ausgeräumten mächtigen Wattströmen in den Tidebecken. Die küstenschutztechnischen Maßnahmen zur Manipulation der Tidebecken ergaben den "Flächenhaften Küstenschutz", der seit 1894 eine sehr lange erfolgreiche Entwicklungsgeschichte hat. Der "Flächenhaften Küstenschutz" fand Eingang in die Küstenschutzvorschriften der Kieler Landesregierung.

Erst im Jahr 2006 fiel mir auf, dass die Unterelbe spätesten nach dem 13,5m-Ausbau 1975 sich genau wie ein Tidebecken verhielt. Allein der Vergleich der offiziellen Tidewerte des DHI und des BSH ergab eine Pessimierung der bis zum Wehr Gesthacht einlaufenden Tidewelle. Die vom BAW AK veröffentlichten Daten bestätigten und verstärkten diese negative Einschätzung.

Umso erstaunlicher ist, dass der damalige Leiter der BAW AK, Dr. FLÜGGE, 2003 diese Daten zwar kennen musste, aber sie nicht mit dem Verhalten des Tidebeckens in Verbindung bringen konnte (Unvermögen oder bewusste Täuschung?). Einer seiner Vorgänger als Leiter der BAW AK, Dr. VOLLMERS, hat zusammen mit dem Leiter des Instituts für Meereskunde, Prof. Dr. Sündermann, eine "Ästuarvergleich verschiedener Tidebeckenformen mit Rechenmodell und Hydraulikmodell" 1979 veröffentlicht. Die eindeutige Tidewellenverstärkende Wirkung von Tidebeckenerweiterungen kannte FLÜGGE nicht? (unwahrscheinlich!) Und wie war es mit der Veröffentlichung von HARTEN & VOLLMERS 1978 über die Auswirkung der Tidebeckenverkleinerung der Tideeider? Auch die kannte FLÜGGE nicht? (unwahrscheinlich!) Also war Herr FLÜGGE als Leiter der BAW AK unfähig oder Datenvertuschend und zu sehr auf die einseitige Begründung der Ausbaupläne fixiert? Möglicherweise hat er nur seinen Job sichern wollen. Ich habe ja selbst erfahren, was einem Beamten mit seiner sachbezogenen Arbeit bei einer Behörde passiert. Der Beamteneid lautet zwar „zum Wohle des Volkes unter Beachtung der wirtschaftlichen Verwaltung von Steuergeldern“, aber gemeint ist wohl die Verpflichtung gegenüber dem jeweiligen politischen Ministerium.

Und der von mir persönlich sehr geschätzte Harro HEYER. Er war bei mir in Husum als Diplomand des IMK durch Vermittlung von Dr. RAMMING IMS mit seinem HN-Rechenmodell Gutachter für die Vordeichung Nordstrander Bucht. Mit Sicherheit haben wir ihm die Maßnahmen der Tidebeckenmanipulation erläutert. Er ist heute immer noch so fixiert auf sein Rechenmodell, dass er meine mehrfachen Versuche der Erläuterung zum Tidebecken Unterelbe nicht folgen kann. Es tut mir leid, dass ich diese Namensliste noch fortsetzen könnte, aber mir ist wichtig zu akzeptieren und festzustellen, dass es nicht immer böser Wille und schon gar nicht Dummheit ist, wenn über Tidebecken keine aktuelle Meinung besteht. Zum Glück fand ich die Erklärung der Fehldeutung der Wirkung von Tidewellen in Tidebecken in der weit verbreiteten "Gartenschlauchregel", die wir Wasserbauer als "Kontinuitätsgesetz" verinnerlicht haben und diese bedeutsame Formel (unpassend) auch auf die Tidebecken anwenden. Wenn bei der Plausibilisierung oder Verifizierung unerwartete Ergebnisse auftauchen, "könnte das ja nur mit dem Klimawandel, Ozonloch, Meeresspiegelanstieg, Sturmflutverstärkung oder sonst mit einer höheren Gewalt zusammenhängen". Und das stimmt, wenn wir die Massenkraft des Mondes als "Übeltäter" berücksichtigen. Phantastisch ist, dass die RENGER-Formeln für die Begründung und Beschreibung des Tidewellenverhaltens gut geeignet sind. Daher sind die im Landschaftspflegerischen Begleitplan LPBP vom Ausbauunternehmer vorgesehenen Flachwasserbiotope als Tidebeckenerweiterung von mir als willkommene Objekte der Fehlplanung einzuordnen! Sie werden die Tidewellen verstärken und eine Pessimierung der Unterelbe-Hydrologie verursachen. Ob Walter Rademacher und Walter Feldt und der WWF und und und das jemals kapieren werden? Wer von denen versteht es wirklich nicht, oder ist nur stur?

Übrigens haben Querprofile des ALW Husum in der Norderhever 1990 ergeben, das die einseitige Vordeichmaßnahme in der Holmer Fähre eine Vertiefung der Norderhever zunehmend bis ins Strandley verursacht hat. Ein schwacher Trost für die Ablehner der damaligen "Landgewinnungsmaßnahme" der Kieler Landesregierung und für die damaligen ökologischen Gegner der Maßnahme AGU. Und heute schießt die Kieler Landesregierung schon wieder über das Ziel hinaus und betreibt eine gesetzliche Sterbehilfe für das "Friedhofsbiotop" NF Wattenmeer mit der „Strategie für das Wattenmeer 2100“ . (N.F. = No Future?) Das von mir bearbeitete Fachbuch "TIDEBECKEN (tidal basins), IHRE ENTSTEHUNG UND IHR VERHALTEN UNTER NATÜRLICHEN UND ANTHROPOGENEN EINFLÜSSEN" ist in DIN A5 mit gut 200 Seiten Text mit ca. 200 Farbbildern fast abgeschlossen und geht demnächst in die Öffentlichkeit.

Es grüßt (in uralter Frische),
Achim Taubert


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